Hinweis

(Aarauer Neujahrsblätter 2012 – Auszug aus dem Beitrag von Dr. Gerhard Ammann)

Erstmals erscheint in den Aarauer Neujahrsblättern ein Beitrag über Auenstein. Die Gislifluh ist neben der Wasserfluh der zweite Hausberg von Aarau. Die Gemeindegrenze im Norden von Auenstein verläuft auf dem Grat der Gislifluh und der ganze Südhang bis zur Aare gehört zu Auenstein. Deshalb werden hier die Gislifluh und die Landschaft dieses Südhangs beschrieben.

Der Aarauer Jura

Der Aarauer Jura gehört zum verschuppten Kettenjura. Er ist also nicht gefaltet. Er besteht aus sehr steil nach Norden ansteigenden Schichtpaketen. Die meisten Berge besitzen einen Grat, der nach Norden in Felswände oder in übersteile Nordhänge übergeht. Von Aarau können wir den Aarauer Jura vom Gugen und der Geissfluh im Westen bis zum Ostende der Gislifluh einsehen. Der Abstand von Aarau zur Jurafront ist gross genug, um diesen überblicken zu können. Die vordere Jurakette zieht sich vom Gugen, zur Egg, zum Achenberg, zum Küttiger Homberg bis hin zur Gislifluh. Zur hinteren Kette gehören die Geissfluh, die Wasserfluh und der Asper Strihen (wir sagen ihm auch Stockmatt) um die von Aarau aus sichtbaren zu nennen. Dadurch bekommt der Aarauer Jura eine vielfältige und feine Struktur und ist attraktiv. Jeder Berg hat nicht nur seine unverwechselbare Form, sondern auch seinen Charakter.

Die Aarauer Hausberge: Wasserfluh und Gislifluh

Angenommen, jemand stellt die Frage: Hat Aarau einen Hausberg? die wahrscheinliche Antwort würde lauten: Ja, die Wasserfluh. Die Antwort auf die Frage kann jedoch auch eine Gegenfrage sein: Was ist ein Hausberg? Als Hausberg bezeichnet man relativ allgemein und undefiniert einen "Berg", den man von der Stadt aus gut sehen kann. Umgekehrt muss von diesem aus vor allem diese Stadt zu sehen sein. Insofern spielt der Abstand der Stadt zu diesem Berg eine Rolle. Von vielen Hausbergen aus hat man eine gute Aussicht, bis Rundsicht und Fernsicht.

Zwei markante Berge dominieren die Silhouette des Aarauer Juras, die Wasserfluh und die Gilsifluh. Aarau hat eben, was selten vorkommt, zwei Hausberge. Sie erscheinen zum Beispiel von Rohr aus gesehen (Salamatten) als eine Art von Eckmarken oder Klammern, die den engeren Aarauer Jura zusammenhalten. In ihrer Struktur, in ihrem Aussehen, sind sie völlig verschieden. Es gibt in Aarau den Spruch: "Gyslifluh und Wasserfluh strecke enander d’Nase zue." Weshalb diese Reihenfolge?

Die Gislifluh hat eine nach Westen gerichtete, hohe Felsnase. Diese ist zugleich der höchste Punkt des Berges (772 m). Der Aufstieg vom sogenannten Gatter aus, dem Passübergang von Biberstein nach Thalheim, erfolgt zuerst sanft auf einer schwach gewölbten Krete Süd und Nord. Danach wird der Weg steil und felsig. Der Berg hat von hier aus betrachtet einerseits einen kecken Gesichtsausdruck. Anderseits zeigt sie die Körperhaltung eines Tieres, das zu einem Sprung ansetzt. Sie wirkt geduckt. Reliefstrukturen im Waldkleid, leichte Verflachungen, deuten die Beine an. Die Gisliflue ist von allen Seiten in ihrer Form klar erkennbar. Die Felsnase der Wasserfluh geht auf drei Seiten in steilste Berghänge über. Teilweise sogar in senkrechte hohe Felswände. Nach der Freiholzung aus ökologischen Gründen wirkt die Situation auf der Wasserfluh noch eindrücklicher.

Bei der Wasserfluh steigt der Grat von der Felsnase aus buckelförmig bis zum höchsten Punkt (866 m) und sinkt dann langsam nach Westen ab. Hinter diesem Buckel, in einer wenig exponierten Lage, steht die markante und überhohe Telekommunikationsnadel. Sie steht hier nach einer harten politischen Auseinandersetzung an einem Ersatzstandort für den ursprünglich geplanten Standort auf der Gislifluh. Es ging um die Bewahrung des Landschaftsbildes der Gislifluh.

Die heutigen Strukturen der Gipfelfläche und das Metalldreieck

Es fällt auf, dass die Oberseite der Felsnase irgendwann massiv bearbeitet worden war. Man wollte jedoch ursprünglich keine Sitzmöglichkeit schaffen, sondern ein Vermessungssignal auf eine ebene Fläche stellen können. Als Ernst Heinrich Michaelis 1837 auf der Gislifluh die Vermessungen für die Michaeliskarte vornahm, waren diese "Treppen" schon vorhanden. Viel früher, 1789, begannen die Arbeiten für die Vermessungen der Alpen zwischen Bodensee und Genfersee durch die Mitarbeiter von Johann Rudolf Meyer Vater aus Aarau. Meyer wollte ein Relief der Alpen herstellen. Der Berner Professor Tralles vermass im Auftrag von Meyer zwischen Kölliken und Suhr eine Basislinie. Von Suhr aus wurde die Felsnase der Gislifluh eingemessen. Und von dort aus peilte man sämtliche sichtbaren Alpengipfel an. Später liess Meyer noch die erste genaue Karte der Schweiz herstellen. Die 16 Kartenblätter erhielten den Namen Atlas Suisse und wurden 1803 veröffentlicht. Auch Dufour und Siegfried benutzten später diesen Vermessungspunkt. Allerdings nur als Vermessungspunkt 2. Ordnung. 1867 wurde auf der Gislifluh eine hölzerne Pyramide gesetzt. Diese wurde mehrmals zerstört, zum Beispiel durch Abbrennen. Erst am 7. November 1903 setzte man dann die heutige, eiserne, dreiseitige Pyramide.

Die Aussicht

Ich behaupte, dass die Gislifluh von Wanderern häufiger besucht wird, wie die Wasserfluh. Sie ist leichter zugänglich. Und die Rundsicht ist bei gutem Wetter eine Totale. Vom Schwarzwald bis zu den Hegau Vulkanen, zum Säntis und Glärnisch, zu den Innerschweizer Alpen und ins Berner Oberland und dann in den Solothurner Jura, kann man eine herrliche Gesamtschau geniessen.

Die Aarauer Neujahrsblätter werden von der Ortsbürgergemeinde Aarau herausgegeben und sind im Buchhandel erhältlich.